Anleger Infos

1) Nebenwerte und Unterschiede zu Standardwerten

Börsianer treffen häufig eine Klassifizierung nach Standardwerten und Nebenwerten, wenn man die Börse in Schubladen unterteilen möchte. Damit wird aber weniger eine Klassifizierung nach der Qualität des Unternehmens bzw. der Aktie getroffen, sondern in der Regel ausschließlich auf die Größe des Unternehmens abgezielt, sprich dessen Marktkapitalisierung.

Während bei Standardwerten die großen Titel der wichtigen Indizes gemeint sind, zum Beispiel des DAX oder des Dow Jones, gibt es für den Beginn des Nebenwertesegmentes keine einheitliche Definition. Grob kann man sagen, dass Nebenwerte Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von weniger als einer Milliarde Euro als Nebenwerte bezeichnet werden können. Allerdings dürfte es hier viele verschiedene Schwellenwerte geben.

Und so kommt es, dass das Nebenwertesegment ein sehr differenziertes Bild abgibt, was die zu ihm gezählten Unternehmen angeht. Von Indexwerten, die zum Beispiel im TecDAX oder SDAX notiert sind, bis hin zu kleinsten Unternehmen mit sehr geringer Marktkapitalisierung wird alles zu finden sein, entsprechend auch von risikoärmeren bis zu hoch spekulativen Investments. Wie in eigentlich jeder Situation an der Börse gilt es daher, sich vorher umfassend zu informieren, bevor man in Nebenwerte investiert, denn DEN Nebenwert gibt es nicht.

2) Beispiele für Nebenwerte

Primacom: Ein klassisches Beispiel für eine aufgegangene hoch riskante Spekulation in Nebenwerten ist die Aktie von Primacom: Einst war der Kabelnetzbetreiber extrem hoch verschuldet, zudem hatte ein Darlehensvertrag extrem hohe Zinsbelastungen mit sich gebracht, sodass der Schuldendienst das Unternehmen quasi auffraß. Zwischenzeitlich hat sich das Unternehmen mit den Gläubigern geeinigt, sich durch den Verkauf eines Unternehmensteils zu einem großen Teil entschuldet und kann optimistisch in die Zukunft blicken. Wer das Risiko eines frühzeitigen Engagements einging, wurde belohnt: Der Aktienkurs des mittlerweile als saniert geltenden Unternehmens steht um ein Vielfaches höher als zu der Zeit, wo das Unternehmen vor der Pleite stand.

BVB Borussia Dortmund: Der einzige deutsche Fußballclub, der an der Börse notiert ist, war für Anleger lange Zeit ein reines Desaster. Der sportliche Erfolg vergangener Jahre wurde mit einem immensen Schuldenberg erkauft, an dem das Unternehmen auch heute noch zu knabbern hat (und das auch noch einige Jahre). Hätten die Eigentümer der BVB-Spielstätte nicht umfangreichen Restrukturierungen in der Kapitalstruktur zugestimmt, wäre die BVB KgaA heute wohl in der Insolvenz. Mit einem neuen Management, einer deutlich günstigeren Lizenzspielermannschaft und einem harten Sparkurs sind die Dortmunder vorerst in ruhigeres Fahrwasser zurückgekehrt. Wichtig wird nun sein, ob eine Umschuldung von Altverbindlichkeiten gelingt.

Eigene Smallcap-Empfehlungen von INVEST INSIDE

Rational : Die Branche des Unternehmens klingt auf den ersten Blick nur wenig spektakulär: Küchengeräte bzw. die Außer-Haus-Verpflegung mit warmen Speisen. Wenig spektakulär heißt aber nicht immer wenig erfolgreich, im Gegenteil: Rational ist Wachstumsstory par Excellenze, die unseren Lesern weit mehr als eine Verdoppelung ihres Einsatzes gebracht hat. In wenigen Jahren hat der Konzern seine Umsätze von null auf mehr als 200 Millionen Euro gebracht und erzielte dabei Spitzenmargen oberhalb von 20 Prozent vor Zinsen und Steuern.

Highlight : Das Schweizer Medienunternehmen ist in den Geschäftsbereichen Film, Home Entertainment sowie Sport- und Event-Marketing tätig und hat, stand 27.02.06, unseren Lesern ein Plus von stattlichen 85 Prozent eingebracht. Dabei ist der Medienwert schon kein Small Cap mehr, sondern mit einer Marktkapitalisierung von rund 303 Millionen Euro eher schon in die Midcaps einzusortieren. Eines der Unternehmenshighlights war der Erwerb der Sportmarketing-Agentur TEAM, welche weltweit zu den professionellsten und erfolgreichsten Sportmarketing-Unternehmen zählt. TEAM vermarktet seit 1992 die Rechte an der UEFA Champions League, dem wichtigsten jährlichen Medienspektakel im europäischen Fußball.

3) Warum kann sich die Investition in Nebenwerte bei der richtigen Anlagestrategie lohnen?

Viele wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass die Anlage in Nebenwerte langfristig lukrativer ist als eine Anlage in Standardwerte, wenn diverse Sicherheitsregeln beachtet werden wie eine ausreichende Diversifikation (siehe Tipps zur richtigen Anlage in Nebenwerten). Das hat einfache Hintergründe. Dadurch, dass sich hinter dem Sammelbegriff Nebenwerte oftmals junge und jüngere Unternehmen finden, bestehen wesentlich höhere Kurschancen. Können solche jungen Unternehmen entscheidende Fortschritte aufweisen, zum Beispiel durch die Einführung eines neuen Produktes, so wirkt sich dies besonders positiv auf den Unternehmenswert aus. Führt Siemens ein neues Produkt ein, verpufft das, bezogen auf den Börsenwert von Siemens, in der Regel wirkungslos.

4) Das eigene Risiko

Wie eigentlich immer an der Börse gilt, dass den Gewinnchancen bei Aktien Verlustrisiken gegenüber stehen. Und wenn man bei Nebenwerten, oftmals jüngere Unternehmen, auf die höheren Gewinnchancen im Vergleich zu Standardwerten aufmerksam macht, so dürfen die Risiken nicht vernachlässigt werden. Geht in frühen Unternehmensstadien irgend etwas schief, so verlieren die Unternehmen deutlich überproportional an Wert. Und so ist der Anleger in der Pflicht, sich vor dem Investment auch auf eigene Faust umfassend über das Unternehmen zu informieren, wenn er seine Gelder nicht (zu) hohen Risiken aussetzen will.

5) Beispiele für Standardwerte

SAP: Die Walldorfer Softwareschmiede SAP ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus einem kleinen Unternehmen ein riesiges Imperium werden kann. Mit Standardsoftware für Unternehmen hat sich das DAX-notierte Unternehmen zu einem der Weltmarktführer der Softwarebranche neben so Giganten wie Microsoft und SAP-Erzkonkurrent Oracle. Letzteren hat man mittlerweile sehr gut im Griff. Neue Produkte sollen ab 2007 zu einem großen Wachstumsschub und dem Gewinn weiterer Marktanteile führen.

Siemens: Während SAP zu den jungen Standardwerten gehört, ist der Münchener Elektro- und Elektronikriese Siemens ein alt-etabliertes Unternehmen. Eine schier endlos breite Produktpalette kennzeichnet den Konzern, der Kraftwerke baut, Hightech-Elektronik fertigt, aus dessen Schoß Unternehmen wie Epcos oder Infineon entstanden sind oder auch medizinische Geräte. Der Preis der Diversifikation, die risikomindernd ist, zahlt der Investor mit einem eher gemächlichen langfristigen Wachstums des Unternehmens. Die Sicherheit wird so durch einen Schuss weniger Phantasie verwässert.

6) Tipps zur richtigen Anlage in Nebenwerten

Ratschläge zum richtigen Umgang mit Nebenwerten sind eigentlich allgemeingültig. Dennoch wollen wir Ihnen einige dieser Regeln ans Herz legen:

- Investieren Sie ausschließlich Gelder, deren Verlust Sie verkraften können. Auch die sorgfältigste Recherche kann nicht ausschließen, dass sich Aktienkurse aus den verschiedensten, vom Investor zum Teil auch unvorhersehbaren Gründen nicht wie erwartet entwickeln.

- Diversifikation ist oberstes Gebot. Alles Geld auf eine Karte, sprich Aktie zu setzen, ist von unkalkulierbarem Risiko und hat mehr mit Kasinomentalität zu tun als mit Geldanlage. Mit einer überschaubaren Streuung der Gelder können Verluste in einer Aktie durch Gewinne mit anderen kompensiert werden. Und es reichen bereits wenige Stars im Depot, um der Gesamtanlage eine sehr gute Rendite zu geben. Übrigens: genau nach diesem Muster verfahren Venture-Capital-Gesellschaften: Nur wenige Anlagen sorgen für die gute Performance der Depots, während eine große Zahl von Investments sich nicht wie erwartet entwickelt.

- Hören Sie auf Warren Buffet! Der US-Starinvestor hat einen launigen Vergleich gezogen: Bei einem Harem von 40 Frauen würde man keine richtig kennen lernen, das gleiche gelte für Aktien. Diversifikation heißt also nicht, Duzende von Titeln ins Depot zu legen. Zumal der Diversifikationseffekt mit steigender Titelzahl im Depot abnimmt. Dafür wird es zunehmend unübersichtlich. Vermeiden Sie diesen Fehler, diversifizieren Sie zwar, halten Sie aber die Titelzahl übersichtlich.

- Investieren Sie nicht in ein Unternehmen, dessen Geschäft sie nicht verstehen. Zumindest ein Grundverständnis dessen, worin man investiert, sollte vorhanden sein.

- Arbeiten Sie diszipliniert mit Stoploss-Marken: Der Markt hat sowieso Recht, sich entgegen aller Vernunft gegen ihn zu stellen, ist in den wenigsten Fällen Erfolg versprechend. Verkaufen Sie oder sichern Sie Gewinne mit einem engen Stoploss ab, wenn die Aktie ihr Kursziel erreicht hat, sofern nicht neue Erkenntnisse dafür sprechen, das Kursziel zu erhöhen.

- Nutzen Sie die oftmals hohe Volatilität bei Nebenwerten zum Einstieg. Wenn eine Aktie einmal explodiert ist, muss man nicht in jedem Fall den Trend hinterher laufen. Vielmehr können technische Reaktionen zum Kauf genutzt werden, die immer wieder vorkommen.

- Informieren Sie sich laufend über die Neuigkeiten aus den Unternehmen, in die Sie investiert haben. Wichtig: Auch Nachrichten der Konkurrenz und aus der Wirtschaft können massiv den Akienkurs beeinflussen, gerade bei kleinen Unternehmen.

Welche Branchen sind zukünftig interessant?

Das Geheimnis einer rentierlichen Geldanlage ist es, zu antizipieren, was zukünftig die Gemüter bewegt. Dabei kann helfen, auf Branchen zu setzen, denen Experten aus den verschiedensten Gründen sehr gute Zukunftschancen beimessen.

2) Beispiele für lukrative Branchen:

Biotechnologie: Das Problem der Pharmaindustrie ist die Chance für die Biotech-Unternehmen. Bei den Pharmariesen laufen in den kommenden Jahren Patente für Medikamente aus, die viele Milliarden Dollar Umsatz im Jahr erzielen. Billige Generikapräparate werden den Großen Anteile wegschnappen, sodass Druck auf die Umsätze aufkommt. Nachwuchs bei den Medikamentenkandidaten ist also vonnöten, allerdings bei den Big Pharmas nur spärlich in Sicht. Die müssen immer häufiger Medikamente einlizenzieren, die von Biotech-Unternehmen entwickelt wurde. Eine Goldgrube für die Biotechs, aus deren Mitte immer wieder Aktien herausragen, deren Kurse sich vervielfachen. Das wird auch zukünftig so sein, der Trend dürfte sich zunehmend verstärken. Die Branche ist ein absolutes Muss für Anleger.

Drahtlose Kommunikation: Längst nicht überall hin führt ein Telefonkabel. Vor allem ländliche Gebiete sind in vielen Staaten nur schlecht versorgt, weil Kabel fehlen. Die drahtlose Kommunikation bietet hier eine attraktive Alternative, um schwerer zugängliche Gebiete mit Telekom-Dienstleistungen zu versorgen.

Nanotechnologie: Die Nanotechnologie ist eigentlich keine Branche, sondern ein Technologiefeld, das viele verschiedene Branchen berührt. Sei es zum Beispiel der Bereich Werkstoffe, die Neuentwicklung von Medikamenten und Verabreichungsmethoden für Medikamente oder die Mikroelektronik. In allen Bereichen versprechen sich Forscher von Manipulationen auf atomarer Ebene wahre Revolutionen, die in den kommenden Jahrzehnten das Leben bereichern werden. Die Nanotechnologie ist, wenn sie auch noch in den Kinderschuhen steckt, bereits in vielen Dingen alltäglicher Gegenstand, zum Beispiel in Tennisschlägern oder Oberflächenbeschichtungen. Größter Risikofaktor ist, dass über die Risiken nanotechnologischer Innovationen derzeit kaum etwas bekannt ist.

Rohstoffe: Wenn Börsianer im Jahr 2005 eins gelernt haben, dann, dass alle Rohstoffe endlich sind. Während man viele Jahre eher sorglos mit den Rohstoffreserven des Planeten umging, auch an der Börse, hat sich hier ein Umdenken gezeigt. Neben dem Nachfrageboom aus den stark wachsenden Volkswirtschaften Asiens war dieses Umdenken einer der Hauptgründe für die Hausse bei Rohstoff-Kursen. Und es besteht kein Grund anzunehmen, dass sich dies so bald ändern wird.

Voice-over-IP: Es soll die Telefonie revolutionieren. Die kostengünstige Telefonie über das Internet, als Voice-over-IP bekannt, dringt immer mehr in den Markt und bietet Anlegern hohe Chancen bei Unternehmen, die sich dem Trend verschrieben haben. Gleichzeitig wachsen die Risiken bei Telekom-Dienstleistern, die den Trend verschlafen und denen damit Umsatzpotenziale der Zukunft verloren gehen.


Unsere Watchlist

Hier finden Sie eine Auflistung der derzeitigen Favoriten. Weitere Infos für Neueinsteiger in Nebenwerten gibt es in unserem Musterdepot.

Terra Ventures
Symbol:G7K
Letzter Kurs:0,32 EUR
Datum:04.07.2008
Zeit:03:00 Uhr
Change:-0,017 EUR
Open:0,328 EUR
High:0,328 EUR
Low:0,328 EUR
Volumen:0
Avalon Oil & Gas
Symbol:A3MA
Letzter Kurs:0,099 EUR
Datum:04.07.2008
Zeit:06:47 Uhr
Change:0,000 EUR
Open:0,099 EUR
High:0,099 EUR
Low:0,090 EUR
Volumen:18.000
Gemini Explorations
Symbol:3G5
Letzter Kurs:0,030 EUR
Datum:04.07.2008
Zeit:03:03 Uhr
Change:-0,002 EUR
Open:0,030 EUR
High:0,030 EUR
Low:0,030 EUR
Volumen:0
Energymixx
Symbol:EM2
Letzter Kurs:0,56 EUR
Datum:04.07.2008
Zeit:03:05 Uhr
Change:-0,005 EUR
Open:0,565 EUR
High:0,565 EUR
Low:0,565 EUR
Volumen:0

 


 

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